Frühstücksmütter

Cooles Frühstück

mittwochs 1. große Pause
in der Aula

Mittwochs gibt es bei uns COOLES FRÜHSTÜCK.
Einige Mütter haben diese Aktion ins Leben gerufen und bieten an diesem Tag vollwertige, leckere, gesunde und selbstgemachte Produkte zu besonders günstigen Preisen an.

aus Prisma (Wochenbeilage der Aachener Zeitung), im März 2007

"Weil´s einfach besser schmeckt"

In der Elwin-Christoffel-Realschule in Monschau servieren die Mütter jeden Mittwoch ein gesundes Frühstück

von Jürgen Seyffert

Was ist der Unterschied zwischen einer ganzen und einer in fünf gleich große Stücke geteilten Orange? Portioniert ist die Frucht ein absoluter Verkaufsschlager, in ihrer ursprünglichen Form dagegen ein jämmerlicher Ladenhüter - jedenfalls bei Jugendlichen. Warum das so ist, weiß Johnny ganz genau: "Weil´s einfach besser schmeckt."
Und Johnny muss es wissen. Schließlich kommt er mit seinen Klassenkameraden aus der 6c jeden Mittwoch vorbei. Johnny ist quasi Spezialist für frisch geschnittenes Obst. Natürlich ist er auch heute wieder da, und wie jeden Mittwoch muss er sich auch an diesem Tag sputen.

Glück gehabt

Es ist zwanzig Minuten nach neun in der Elwin-Christoffel-Realschule in Monschau. Mit dem Gong zur ersten großen Pause ist die Jagd auf Mehrkornbrötchen, Käsespieße, Vollkornpizza, Obstquark und geschnittene Orangen eröffnet. Bei 570 Schülern darf man nicht zu spät kommen. Johnny legt die 20 Cent für seine zwei Vitamin-C-Happen auf den Tisch. Glück gehabt.
"Es dauert nicht lange, dann sind wir ausverkauft", sagt Johanna Hoff und verkauft einen der letzten Käsespieße für 30 Cent. Zusammen mit Simone Breuer, Maria Rader, Margit und Sigrid Bonné steht sie hinter der provisorischen Verkaufstheke, gebaut aus sechs Schultischen. Heute sind sie die Frühstücksmuttis, fünf von insgesamt 29, die an der Monschauer Realschule abwechselnd jeden Mittwoch Gesundes auf den Tisch bringen.

Präsentation zählt

Ein Vater ist auch dabei, was sich nach Meinung der Damen aber gerne ändern könnte. Über mehr männliche Unterstützung "würden wir uns natürlich freuen", sagen sie unisono. Seit sechs Jahren git es diese Elterninitiative jetzt schon.
Nach 20 Minuten ist die Pause vorbei, und nicht nur in der Aula wird´s langsam wieder übersichtlich. Auch die Tabletts sind leer. "Würden wir das Obst nicht schneiden oder die Brötchen nur trocken und lieblos hinlegen, hätten die Kinder kein Interesse daran", ist sich Simone Breuer sicher.
Sie weiß aus Erfahrung, dass meist nur Form und Präsentation darüber entscheiden, was Kindern und Jugendlichen schmeckt und was nicht. "Das war auch einer der Gedanken, als wir damals die Idee für das gesunde Frühstück hatten. Wir wollten nicht nur einfach so für ein gesundes Frühstück sorgen. Wichtig war uns auch, die Kinder dafür zu sensibilisieren, dass gesundes Essen natürlich auch lecker sein kann."
Eine Tatsache, die längst nicht jedem als solche bewusst ist. Mehr noch: "Wir erleben auch manchmal, dass Kinder beispielsweise einen Früchtequark noch nie gegessen haben. Wenn wir sie dann probieren lassen, sind sie in der Regel erstaunt, wie gut er schmeckt", sagt Margit Bonné.

"Würden wir das Obst nicht schneiden, hätten die Kinder kein Interesse daran."
Simone Breuer
Frühstücksmutti
Also wird an jedem Mittwochmorgen geschnibbelt und geschmiert, serviert und kassiert. Um Viertel nach acht treffen sie sich im Hauswirtschaftsraum der Schule. Wer Brötchendienst hat, muss schon um sechs zum Biobäcker. Die Vollkornpizzen werden tags zuvor in der heimischen Küche gemacht, um sie später nur noch einmal kurz in den Ofen schieben zu müssen. Die Organisation läuft perfekt, freiwillig und natürlich ohne Bezahlung.
Ausgefallen ist das Frühstück an der Elwin-Christoffel-Realschule in Monschau in den vergangenen sechs Jahren noch nie. Genauso wenig wie die regelmäßige Spende, die die Frühstücksmuttis obendrein noch servieren. Denn alles, was am Mittwochmorgen erwirtschaftet wird, fließt zurück an die Schule. Keine Riesensummen - schließlich liegen die Preise für Obst, Quark oder Brötchen nur knapp über dem Selbstkostenpreis - aber immerhin: Für eine Kamera fürs Fotolabor oder einen neuen Basketballkorb hat es allemal gereicht.
"Wir sind sehr froh, solche Mütter zu haben. Sie sorgen ja nicht nur für gesunde Ernährung und damit auch für leistungsstärkere Schüler. Sie sind als ein Elternteil der Kinder ja auch noch ein verbindendes Element zur Schule, und daran sind wir natürlich immer interessiert", freut sich auch Direktor Peter Groten über jeden Mittwochmorgen: "Solch ein Engagement ist ja nun wirklich keine Selbstverständlichkeit."

Quark und Käse

Trotzdem gehts am Mittwoch nach den Osterferien weiter, pünktlich um zwanzig Minuten nach neun. Mit geschnittenen Orangen und Mehrkornbrötchen, Quark und Käsespießen. "Eben mit allem, was Jugendliche so nicht sofort essen würden", wie Maria Rader sagt. In Monschau lieben sie es.